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Die beiden Projekte , Aufnahme der geretteten Laborferkel und die Rettung der Schlachtlämmer, haben großes Interesse im Internet erregt. Elke Weihusen von veggii.de führt dazu ein Interview mit der Initiatorin Elisabeth Schön:

 

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# Liebe Elisabeth, zum Einstieg würde ich gerne erfahren, wie Du zum aktiven Tierschutz gekommen bist?

Ich bin 54 Jahre alt und hatte schon immer eine tiefe innere Beziehung zu Tieren. Eine Jagdhündin in Süd-Frankreich, die von ihrem Besitzer erschossen werden sollte, war mein erstes Tier, das ich rettete. Java war total verängstigt und nicht daran gewöhnt mit Menschen zu leben. Um ihr zu helfen, kam ein Hund aus dem Berliner Tierheim dazu. Wir wurden ein kleines, gut funktionierendes Rudel ☺.

Damals wohnten wir in einem winzigen Häuschen im Wald, und sehr bald bekamen wir Zuwachs. Es waren kleine hungrige, kranke Katzen. So kam ich mit der Thematik der freilebenden Katzen in Kontakt. In den 3 Jahren, die ich dort lebte, versorgte ich unzählige von ihnen, organisierte Kastrationsaktionen, richtete Futterplätze ein und kümmerte mich mit meiner ganzen Kraft um sie.

2015 traf ich bei einer Kastrationsaktion auf eine weinende Kuh, der man gerade das Kalb weggenommen hatte. Ich war seit 25 Jahren Vegetarier, aber mir war das Elend der Tiere in der Milchproduktion nicht bewusst. Diese Kuh werde ich nie vergessen, ich bin seit dem Tag vegan.

# Und wie seid ihr dann zum Gnadenhof-Projekt gekommen?

Nachdem man mir von einem Schlachtbetrieb in unserer Nähe erzählte, sammelte ich 2015 die ersten Spenden in meinem Freundeskreis, um Pferde freizukaufen. Schafe, Ziegen und Minischweine folgten. Ich habe diese Tiere vermittelt.

Leider machte ich in der Folge die sehr traurige Erfahrung, dass es schwer möglich ist, für „Nutztiere“ ein neues Zuhause zu finden, wenn man sicherstellen möchte, dass sie ein artgerechtes und angstfreies Leben führen können. Dies war die ausschlaggebende bittere Erkenntnis, dass ich entweder aufhören oder mein  „Projekt“ auf solidere Beine stellen muss.

# Wie seit ihr jetzt konkret zu den Schäfchen gekommen?

Als ich 2017 neun bereits vermittelte Ziegen von heute auf morgen wieder zurücknehmen musste, suchte ich händeringend nach Hilfe, um sie artgerecht und sicher unterzubringen. In einem ehemaligen LPG-Betrieb, der heutigen LEG in Hermersdorf, fand ich Hilfe. Die LEG baut hauptsächlich Getreide an, hat aber auch eine Schafherde.

Nachdem eine der 9 Ziegen verschwunden war, dachte ich daran, dass sie gestohlen und getötet wurde. 4 Wochen nach dem Verschwinden, fand der Schäfer sie lebend. Sie war in einen stillgelegten Silo gefallen. Wie durch ein Wunder hat sie überlebt. In einer atemberaubenden Rettungsaktion wurde sie geborgen. Da sie total abgemagert war, musste sie langsam an Futter gewöhnt werden. Sie wurde in einem Stall untergebracht, wo ich auf die Lämmer traf.

„Warum sind die nicht draußen?“ fragte ich. Mir wurde dann erklärt, dass dies der Maststall ist, und diese Lämmer in Kürze auf den Weg zum Schlachthof gebracht werden. Total geschockt ging ich nach Hause und verbrachte eine schlaflose Nacht. Am nächsten Morgen war ich wild entschlossen, etwas zu tun.

# Warum lagen gerade diese Dir so am Herzen?

Weil ich sie gesehen habe, ihre Augen…

# 🙁

# Wo sind die Schafe aktuell? Wie viele Schafe müssen gerettet werden? Wie alt sind sie?

Sie sind im Schafstall der LEG Hermersdorf. Es gibt ca. 250 Mutterschafe und derzeit ca. 350 Lämmer. Die ersten wurden Ende Januar geboren.

# Zur Rettung: Was kosten der Freikauf und die spätere Versorgung?

Die Lämmer werden auf 45kg gemästet. Der Viehhändler bezahlt pro Stück 120 €, das ist der Marktpreis. Für ein älteres Mutterschaf beträgt dieser Preis 80 €.

Die Versorgung eines Schafes ist nicht so teuer. Für eine Vollpatenschaft setzten wir 35 € pro Monat an. Wichtig ist jedoch, dass sie genug Weidefläche und einen Stall zur Verfügung haben. Daher möchten wir Land und Ställe von der LEG pachten. Über dieses Projekt mit Kaufoption findest Du weitere Infos auf unserer Homepage. Das ist enorm wichtig, um die artgerechte Haltung der Tiere zu gewährleisten. Ein weiterer großer Vorteil ist hier auch die Fachkompetenz des Schäfers. Tierärzte  kennen sich mit Schafen nicht aus, weil sie geschlachtet werden. Diese Erfahrung habe ich bereits mehrfach gemacht.

# Wieviel Zeit bleibt noch? Wann werden sie abgeholt und geschlachtet?

Für die ersten Lämmer ist nicht mehr viel Zeit. Maximal 2-3 Wochen.

# Was passiert mit den Muttertieren, trauern sie um ihre Kinder?

Die Trennung von den Müttern erfolgt ca. in der 3. Lebenswoche der Lämmer. Dann gehen sie in die Mast. Natürlich trauern die Mütter… natürlich schreien die Lämmer… 

# Das ist ja furchtbar Wie verhindert ihr, dass nicht einfach andere Lämmchen statt der geretteten geschlachtet werden?

Die Lämmer, die wir kaufen, können nicht mehr an den Viehhändler verkauft werden. Deswegen werden aber hier nicht mehr „produziert“; das geht nicht. Es werden aus rein wirtschaftlichen Aspekten schon sowieso so viel wie möglich „erzeugt“. Der LEG ist es aber gleich, ob sie das Geld von mir oder dem Viehhändler bekommt. De facto nehme ich damit diese Tiere vom Fleischmarkt… und rette ihnen das Leben. 
Das Argument, damit die Produktion anzukurbeln, habe ich auch schon oft gehört. Dies ist jedoch nicht möglich, da sowieso ein Maximum aus der Herde rausgeholt wird; eine „Mehrproduktion“ für die Tierschützer gibt es nicht.

In Hermersdorf kommt die Besonderheit hinzu, dass der Schäfereibetrieb Ende diesen Jahres eingestellt wird, weil der Schäfer in Rente geht. Der aktuelle Stand ist, dass die gesamte Herde der Mutterschafe dann zum Schlachthof geht. Ich hoffe so sehr, dass es noch eine andere Lösung gibt…

# Ja, das hoffen wir auch sehr! Wo und wie werden die geretteten Lämmer dann bei Euch leben? Wie alt werden sie natürlicherweise?

Unser Traum ist es, von der LEG Stallungen und Weideflächen zu kaufen, auf denen die Lämmer dann wunderbar leben können. Hier werden nächste Woche auch die Ferkel von der Laborferkelrettung einziehen. Ich habe vorerst einen Pachtvertrag abgeschlossen. Dieser beinhaltet das Vorkaufsrecht. Das Gelände könnte so vielen geretteten Tieren ein Zuhause bieten. Zur Zeit leben dort schon 8 unserer Lämmer. Schafe können ca. 15 Jahre alt werden.

# Das klingt ja positiv. Kann man sie besuchen?

Wir freuen uns sehr über jeden Besuch und die Tiere auch ☺

# Super, wieviel Spenden benötigt ihr konkret?

Für die Tiere, die jetzt bei uns leben, bringen wir fast den gesamten Unterhalt aus unseren privaten Mitteln auf. Den derzeitigen Tierbestand könnt Ihr auf der Homepage sehen.

Leider haben bisher nur sehr wenige dieser Tiere einen Paten.

Wann immer es für mich und die Tiere existenziell wurde, habe ich zwar spontane Hilfe von Freunden erhalten, aber wir brauchen eine sichere und zuverlässige finanzielle Basis für die Zukunft.

Für die die Tiere, die in Hermersdorf leben sollen, müssen wir 1000 € monatliche Pacht aufbringen. Diese beinhaltet die Ställe, die Nebenkosten für die Ställe, Säuberung der Ställe, tägliche Versorgung mit Wasser, füllen der Futterraufen, eingezäunte Koppeln, Zaunreparaturen. Nicht beinhaltet sind, Einstreu, Futter, Tierarzt,  Arbeiten zur täglichen Versorgung (Arbeitslohn für einen Helfer vor Ort).Daraus kalkulieren sich die Kosten von 100€ monatlich pro Schwein und 35€ pro Schaf. Es gibt auf dem Gelände eine Wohnung (muss noch renoviert werden)  in der wir Workaway Mitarbeiter unterbringen möchten, die die Tiere rund um die Uhr betreuen.  Das sind dann ab April  14 Schweine und die 8 Lämmer und 6 Mama Schafe. Wir hoffen, dass noch viele Lämmer zu der Herde dazu kommen, die wir jetzt freikaufen können.  Es könnten hier  wesentlich mehr Tiere aufgenommen werden, wenn sie Paten hätten – und damit die tollen Ställe und das 2,6 Hektar große Landstück voll nutzen.

Derzeit gibt es für 6 Schweine Paten. Keines der Schafe hat bisher einen Paten. Wir brauchen dringend Paten für 8 Schweine, 14 Schafe und alle Lämmer die wir jetzt retten können. Sehr gerne können auch Teilpatenschaften ab 5€ im Monat übernommen werden.

# Dann würde ich sehr gerne eine Teilpatenschaft für das kleine Schaf,was einen auf dem Foto Nr.2 so intensiv ansieht, übernehmen.Wo muss ich das Geld dann hin überweisen?

Das ist ja wunderbar. Von Herzen Dank dafür. Du kannst es auf unser Spendenkonto überweisen:

DKB Bank

DE 84120300001036685442

 

 

 

# Ich danke Dir sehr für für diese wichtigen Informationen und Deine tolle Initiative und wünsche Dir neben viel Kraft vor allem ganz viele neue Paten für die Tiere!

Gerade jetzt zu Ostern bietet es sich ja an, eine Schafs- oder Schweine-Patenschaft zu verschenken und so etwas wirklich Sinnvolles zu tun, nämlich ein Leben zu retten!

 

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