Unsere Geschichte

‚Massentierhaltungsanlage beenden – Lebenshofprojekt wahr machen‘

Inmitten idyllischer Natur zeugen verlassene Ställe und ruinenhafte Gebäude von der traurigen Vergangenheit dieses Ortes, den wir jetzt in einen Ort des Friedens und der Liebe verwandeln möchten.

Alles auf Anfang:

Unsere ‚Geschichte von Hermersdorf‘ beginnt im Mai 2017, als Elisabeth Schön, Betreiberin des kleinen Lebenshofes ‚Animal Refuge‘ in Buckow, für neun gerettete Ziegen ganz dringend eine vorübergehende Notunterkunft suchte. Über eine Bekannte erhielt sie Kontakt zur LEG Hermersdorf, ohne zu diesem Zeitpunkt jedoch zu wissen, dass dort neben dem hauptsächlichen Getreideanbau auch eine Mastanlage betrieben wird. Da sie schnellstmöglich handeln musste, brachte Elisabeth die neun Ziegen vorläufig auf dem Gelände der LEG Hermersdorf unter. Einige Zeit später verschwand eine dieser Ziegen auf einmal spurlos. Vier Wochen vergingen – die anderen acht Ziegen wurden in dieser Zeit in ihr neues Zuhause umgesiedelt – bis das vermisste Tier glücklicherweise lebend in einem Silo wiedergefunden wurde. Da die Ziege völlig ausgehungert war, brachte der Schäfer der LEG Hermersdorf sie zum ‚Aufpäppeln’ in seinem Maststall unter. Das war der Moment, in dem Elisabeth zum allerersten Mal auf die Mastlämmer von Hermersdorf traf und von deren ‚Bestimmung‘ erfuhr. Als Elisabeth an diesem Abend am 30. August 2017 im Bett lag, bekam sie kein Auge zu. Immer wieder sah sie die Lämmer vor sich. Sie konnte ihre Blicke einfach nicht vergessen. Am nächsten Morgen war sie wild entschlossen, etwas zu tun, um diese Lämmer vor dem Schlachthof zu retten. Also startete sie zusammen mit ihrer Freundin Kathrin Kienast einen Aufruf über Facebook, um Hilfe für die Rettung dieser Lämmer zu suchen. Über diesen Hilferuf trafen Elisabeth und Kathrin unter anderem auf Annette Riedel, Betreiberin des kleinen Lebenshofes ‚Muckele‘s Farm‘ in Michendorf, die sich ohne zu zögern bereit erklärte, fünf der Lämmer freizukaufen und bei sich auf dem Lebenshof unterzubringen. Weitere zwei Lämmer wurden bei Peggy Schreiber von ‚Tierhilfe Hof Samtschnute e.V.‘ aufgenommen. Zeitgleich erfuhr Elisabeth, dass sie auch von ihrem buddhistischen Verein ‚Rigpa e.V.‘ mit Unterstützung rechnen könne, sofern sie einen gemeinnützigen Verein gründete. Also fragte Elisabeth kurzerhand bei Annette an, ob sie mit ihr zusammen dieses Abenteuer angehen würde. Annette stimmte zu und so gründeten die beiden im Oktober 2017 den gemeinnützigen Verein ‚Tiere wollen leben‘, welcher im Februar 2018 aus organisatorischen Gründen in ‚Lasst die Tiere leben‘ umbenannt wurde. Ende September 2017 konnte Elisabeth mit Hilfe von Freikaufspenden des buddhistischen Vereins ‚Rigpa e.V.‘ weitere sechs Schafe retten und bei ihrer Freundin Gabi in Garzin unterbringen.

Als Anfang Februar 2018 die ersten Mutterschafe im Schäfereibetrieb der LEG lammten, erfuhr Elisabeth, dass der Schäfer Ende des kommenden Sommers in Rente gehen wird und der Schäfereibetrieb somit geschlossen werden soll. Elisabeth – die die Geburten der Lämmer mitunter persönlich miterlebt hatte – konnte nicht anders als sich zu schwören, alles in ihrer Macht stehende zu tun, um diese Lämmer und ihre Mütter freizukaufen, bevor sie für die ihnen bevorstehende Mast getrennt werden. Sie startete also einen erneuten Aufruf mit der Bitte um Freikaufspenden für die Schafe und Lämmer, welcher über Facebook und Instagram weiträumig geteilt wurde.

Am 03. März 2018 erfuhr Annette zudem über die ‚Tierrechtsgruppe Gießen‘, dass 30 Laborferkel ganz dringend ein sicheres Zuhause brauchten und so beratschlagte sie mit Elisabeth und Herrn Schneider von der LEG über Möglichkeiten, auch dabei behilflich zu werden. In diesem Zuge wurde Annette und Elisabeth klar, dass sie für die Umsetzung dieser zwei Rettungsaktionen Land und Ställe von der LEG Hermersdorf pachten müssten. Mitte März erfuhr Marcel Pfister von der 1. bioveganen solidarischen Landwirtschaft ‚PlantAge e.V.‘ von der Möglichkeit, Gelände der LEG Hermersdorf zu pachten und so lernten er und Elisabeth – und kurze Zeit später auch Marcels Frau Annette und Elisabeth – sich kennen. Marcel und Annette erfuhren in diesem Zusammenhang natürlich auch von den Schafen und Lämmern im Schäfereibetrieb der LEG Hermersdorf und von Elisabeths Absichten, möglichst viele dieser Tiere vor dem Schlachter zu retten. Sie ließen es sich nicht nehmen, eine Mutter mit ihren zwei Lämmern freizukaufen. Ende März erfuhr Sophie Lemcke über eine befreundete Tierrechtsaktivistin von Elisabeths Aufruf und wusste sofort, dass auch sie helfen musste. Da in diesem konkreten Fall auch keine neuen Tiere ‚nachproduziert‘ werden, konnte sie dies mit ihrem Gewissen gut vereinbaren. Und so standen Elisabeth und Sophie am 29. März 2018 in einem dunklen Stall, umringt von zahlreichen Lämmern und Mutterschafen, damit sie zwei von ihnen auswählen konnte. Aber wie entscheidet man, wer leben darf – und wer nicht? Wie wählt man zwei fühlende Wesen für ein Leben in Freiheit aus, wenn man mit dieser Entscheidung zeitgleich zahlreichen Anderen diese vielleicht einzige Chance verwehrt? Es war eine furchtbare Situation und Sophie versuchte, sich an dem Gedanken festzuhalten, dass es zumindest für diese zwei Individuen das größte Glück auf Erden bedeuten würde. Mit dem Wissen, dass es alle gleichermaßen verdient haben, wählten ihre Tochter und sie die beiden Lämmer aus, denen sie in diesem Stall zuerst begegnet waren – ein Zwillingspärchen, erst wenige Wochen alt. Elisabeth übernahm kurzerhand den Freikauf der Mutter, denn es hätte ihnen allen das Herz gebrochen, sie zu trennen. Doch mit diesen zwei Freikäufen war die Sache für Sophie natürlich nicht erledigt. Sie hatte so vielen anderen Lämmern und Mutterschafen in diesem Stall in die Augen gesehen und fühlte sich verpflichtet, mehr zu tun. In den folgenden Tagen rührte sie kräftig die Werbetrommel und gab ihr Bestes, um weitere Freikäufer für ‚Elisabeths Schafe‘ zu finden, was ihr glücklicherweise auch gelang. Elisabeth war von Sophies spontanem Engagement so berührt, dass sie sie am 07. April 2018 kurzerhand fragte, ob sie sich vorstellen könne, ihrem Verein beizutreten und zusammen mit ihr und Annette Riedel sowie Kathrin Kienast, Annette Pfister und Marcel Pfister den Vorstand zu bekleiden.

Seit wir uns alle Ende März 2018 zusammengefunden haben, ist so erstaunlich viel passiert. Wir haben es aufgrund der enormen Geschwindigkeit der Entwicklungen vermutlich selbst noch nicht wirklich in Gänze begriffen, denn zum Durchatmen und Revue passieren lassen kamen wir zuletzt so gut wie nie. Nachdem wir Anfang April also die Pacht unseres Lebenshofgeländes aufgenommen haben, sind am 21. April 2018 auch schon 14 der 30 ehemaligen Laborferkel bei uns eingezogen. Die anderen 16 Ferkel wurden in kleineren Gruppen auf weitere Lebenshöfe verteilt. Unsere Ferkelbande hat sich erstaunlich schnell eingelebt und konnte nach einem großen Arbeitseinsatz am 01. Mai 2018 mit vielen wundervollen freiwilligen Helfern auch ihr Außengelände endlich beziehen. Außerdem haben wir die Herde der geretteten Schafe im Laufe der vergangenen  Monate auf mittlerweile 240 Schafe und Lämmer vergrößern können. Dass wir tatsächlich die gesamte Gruppe der Mastlämmer noch rechtzeitig retten konnten, damit haben selbst wir nicht mehr gerechnet. Die wortwörtliche Deadline war extrem knapp, doch die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt und diese zauberhaften Lämmer hatten zum ersten Mal in ihrem Leben tierisches Glück. Da sie aufgrund der bereits stark vorangeschrittenen Mast leider nicht mehr einfach so dazu in der Lage waren, Frischfutter zu verdauen, mussten sie von uns nun zunächst einmal ganz langsam und vorsichtig umgewöhnt werden, was uns jedoch gut gelang. Im September 2018 kamen außerdem 4 weibliche Kälbchen zu uns, die als für die Milchindustrie zu klein und zu schwach eingestuft und aussortiert wurden und zum Schlachter sollten. Dieses furchtbare Schicksal konnten wir ihnen zum Glück ersparen. In unserer ‚Außenstelle‘ bei Elisabeth zuhause leben außerdem 6 Gänse, 3 Hasen, 5 Ponys und einige Katzen. Die Ponys, Hasen und Gänse sollen in Zukunft auch auf unseren großen Lebenshof nach Hermersdorf ziehen.

Diese ganzen phänomenalen Entwicklungen wären ohne die finanzielle wie tatkräftige Hilfe von zahlreichen herzensguten Menschen, die uns bisher mit (Sach-) Spenden und ihrer Arbeitskraft völlig uneigennützig unterstützt haben, niemals möglich gewesen. Wir sind selbst total sprachlos und überwältigt von der wundervollen Resonanz auf unser Lebenshofprojekt. Wir wissen gar nicht, wie wir all diesen wundervollen Menschen angemessen danken können. Außerdem möchten wir uns von ganzem Herzen bei Herrn Schneider, beim Schäfer Herrn Günther Deutschmann und bei Herrn Jürgen Deutschmann von der LEG Hermersdorf dafür bedanken, dass sie seither so einige Stunden ihrer privaten Zeit opfern, um uns mit ihrer Fachkenntnis, ihrer Erfahrung und ihrem handwerklichem Geschick zu unterstützen. Ebenso möchten wir uns bei Marlene für ihre großartige Hilfe vor Ort sowie bei Herrn Günter Garbers vom ‚Lebenshof Mühlenbach‘ für seine Hilfe und sein Know-How bedanken.

Durch die große räumliche Entfernung von Annette Riedel zu unserem großen Lebenshofprojekt in Hermersdorf hat sie im November 2018 die Position der 2. Vorsitzenden freigegeben und den Verein verlassen. Der Vorstand von ‚Lasst die Tiere leben e.V.‘ wurde am 16. November 2018 entsprechend neu gewählt und verkleinert. Unser Verein betreibt nun ‚nur noch’ das große Lebenshofprojekt in Hermersdorf mit kleiner ‚Außenstelle‘ bei Elisabeth zuhause in Hasenholz. Annettes Hof ‚Muckele’s Farm‘ in Michendorf ist nun ein eigenständiges Projekt von Annette Riedel.

Für die Zukunft planen wir nun vor allem zunächst das Gelände und die Ställe zu renovieren und schön herzurichten. Außerdem soll in einem der Ställe ein Museum der Massentierhaltung entstehen. Wir wollen mit unserem Lebenshof einen Ort des friedlichen Miteinanders zwischen Mensch und Tier schaffen und haben uns – neben der Rettung und Versorgung sogenannter Nutztiere – die Aufklärungsarbeit in Bezug auf unseren Umgang mit Tieren und den Veganismus als hohe Priorität gesetzt. Zudem möchten wir auf unserem Hof regelmäßig auch themenbezogene Workshops anbieten – zuletzt hat Joey Carbstrong bei uns einen sehr gut besuchten Workshop abgehalten.

Regelmäßig finden bei uns auch Besuchertage statt, die bei allen Teilnehmern immer sehr gut ankommen. Und auch unsere immer wieder stattfindenden Arbeitseinsätze sind meist sehr gut besucht. Durch die Nähe zu Berlin konnten wir uns in den vergangenen Monaten bereits ein gutes soziales Netzwerk an Helfern und Unterstützern aufbauen und hoffen, dass wir dieses auch zukünftig weiter ausbauen können. Wir danken jedem einzelnen Helfer für seine Unterstützung, egal in welcher Form. Ohne euch könnten wir das alles nicht schaffen.

Als gemeinnnütziger Verein finanzieren wir uns über Mitgliedschaften, Patenschaften und sonstige Sach- und monetäre Spenden. Zusätzlich zu der Suche nach Paten für unsere Tiere und Mitgliedern in unserem Verein sind wir auch ganz aktiv auf der Suche nach einem oder mehreren Großspendern, die wie wir an diese Vision eines friedlichen Miteinanders von Mensch und Tier glauben und uns bei der Umsetzung unseres Herzensprojektes ‚Massentierhaltungsanlage beenden – Lebenshofprojekt wahr machen’ unterstützen möchten.

Wir möchten jeden – der unsere ‚Geschichte von Hermersdorf‘ liest – von ganzem Herzen bitten, uns zu unterstützen und unser Herzensprojekt ‚Massentierhaltungsanlage beenden – Lebenshofprojekt wahr machen‘ weiträumig zu teilen. Man kann nie wissen, wer vielleicht auf genau so ein soziales Projekt wie unseren Lebenshof wartet und in der Lage ist, uns beim Aus- und Umbau des Geländes zu unterstützen.

Denn auch wenn inmitten dieser idyllischen Natur bisher verlassene Ställe und ruinenhafte Gebäude von der traurigen Vergangenheit dieses Örtchens zeugten, so können wir daraus für immer einen Ort des Friedens und der Freiheit machen. Wenn wir alle gemeinsam daran glauben…

 

Ihr möchtet uns mit einer Spende unterstützen? Dann findet ihr hier alle möglichen Wege, dies zu tun.

Wenn ihr eine (Teil-) Patenschaft für eines unserer Tiere abschließen möchtet, findet ihr alle Informationen hier , möchtet ihr (Förder-) Mitglied in unserem Verein werden, dann bitte hier entlang.

 

 

„Wenn der moderne Mensch die Tiere, deren er sich als Nahrung bedient, selbst töten müsste, würde die Anzahl der Pflanzenesser ins Ungemessene steigen.“

(Christian Morgenstern, Dichter, 1871-1914)